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Die Freimaurer – Eine Einführung – Teil 2

3. Brief Ausbreitung und weitere Entwicklung der Freimaurerei

Br. Stukenberg weist in seinem 3. Brief darauf hin, dass die englische Großloge großzügig in allen Ländern die Bildung von Tochterlogen gestattete.

Sowohl in England als auch auf dem Kontinent bestand insbesondere unter den gebildeten Bevölkerungsschichten ein ausgeprägtes Bedürfnis, „den unerträglichen kirchlichen und politischen Streitigkeiten zu entfliehen und eine Stätte zu finden, wo man der Wahrheit, der Menschlichkeit, der Toleranz und der Brüderlichkeit in Ehrfurcht vor dem Höchsten dienen durfte“. Dies führte zu Logenbildungen zunächst in Großbritannien und Irland, dann aber 1731 in Russland, 1732 in Frankreich, ab 1738 in unterschiedlichen deutschen Ländern. Die erste deutsche Loge war die Loge „Absalom“ in Hamburg.

Die Tatsache, dass mehrere deutsche Landesfürsten und daneben ein großer Teil des Adels Freimaurer wurden, beschleunigte die Ausbreitung der Freimaurerei in Europa.

Ein wichtiger Förderer der Freimaurerei war der Hohenzoller Friedrich II. von Preußen, genannt „Der Große“. Selbst seit 1738 Freimaurer, gründete er die „Große Nationalmutterloge Zu Den Drei Weltkugeln“ und billigte die Entstehung der „Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ sowie der „Großloge Royal York Zur Freundschaft“.

Weitere Logenzusammenschlüsse führten zu weiteren Großlogen, die alle darauf achteten, die Anerkennung der englischen Mutterloge zu haben oder mit ihr in brüderlicher Verbindung zu stehen. Voraussetzung hierfür war immer das Festhalten an dem geltenden Grundgesetz für die Freimaurer. Gleichwohl erhielt die Freimaurerei in jedem Land abhängig von politischen und nationalen Charakteristika eigene Prägungen.

Beispielhaft sei die Situation in Frankreich genannt: hier gab es Reste von religiösen Gemeinschaften, die von der römischen Kirche in harten Verfolgungen vernichtet worden waren, weil sie für deren Dogmatismus gefährlich geworden sind. Genannt seien in diesem Zusammenhang die Katharer. Aber auch die Templer können angeführt werden, die als Orden der Bevölkerung im Gedächtnis geblieben sind. Sie waren der Habgier des französischen Königs und der Treulosigkeit des damaligen Papstes zum Opfer gefallen. Ihr letzter Ordensmeister musste 1314 den Tod auf dem Scheiterhaufen erleiden.

Br. Stukenberg dazu: „Es war das gewissensstarke Verhalten dieses letzten Ordensmeisters, Jakob de Molay, das dem frm. Ideal in besonderer Weise entsprach. Hinzu kam, dass um diese Zeit die Ritterromantik neu belebt wurde und wunderliche Blüten trieb, aber von dem Einfluss auf die Logen ist nur eines geblieben, nämlich die stärkere Betonung des christlichen Gedankens in einigen Großlogen und die Verehrung Jakob de Molays als eines Beispiels der Standhaftigkeit und der sauberen Gesinnung.“

Br. Stukenberg weist darauf hin, dass zwei Richtungen der Freimaurerei existieren, die – nach seiner Auffassung nicht ganz zutreffend – als humanitär einerseits und christlich andererseits bezeichnet werden: „Während die eine sich in religiösen und konfessionellen Dingen einer strikt neutralen Haltung befleißigt, übt die andere zwar auch volle Toleranz gegenüber den Konfessionen, erblickt aber in der Lehre des Meisters von Nazareth das maßgebende Beispiel eines aus religiöser Quelle gespeisten Humanismus. Daher gilt den Logen dieser Richtung eine positive Einstellung zum Christentum schlechthin als Voraussetzung zum Eintritt in die Gemeinschaft. Es ist die frühere altpreußische Loge, die „Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland„, heute zu den „Vereinigten Großlogen von Deutschland“ gehörend, die an diesem Grundsatz festhält.“

Trotz vielfältiger Richtungen und Meinungen innerhalb der Freimaurerei fokussiert sich das frm. Streben doch immer auf die Menschlichkeit. Dieses haben alle Logen auf der Welt gemeinsam.

In Deutschland wurden immer wieder Anstrengungen unternommen, alle Logen unter einem Dach zu vereinen.

Nachdem nach dem Ersten Weltkrieg die Freimaurer in das Für und Wider politischer Kämpfe gerieten und dann nach der Machtübernahme schließlich 1935 von der nationalsozialistischen Regierung verboten wurden, ermöglichten die westlichen Besatzungsmächte 1945 zuerst zögernd, dann aber ganz offen die Wiedereröffnung der Logen. Im Jahre 1958 schließlich vereinte sich die Freimaurerei in Deutschland zu einem Bund:

Vereinigte Großlogen von Deutschland – Bruderschaft der Deutschen Freimaurer

4. Brief Systeme und Lehrarten

Aus dem Überblick über die Geschichte der Freimaurerei wird deutlich, dass sich verschieden Lehrarten bzw. Systeme in den unterschiedlichen Ländern entwickelt haben. Das hindert die Freimaurer aber nicht daran, über Ihre Logen engste Beziehungen untereinander zu pflegen.

Br. Stukenberg erwähnt dazu: „In allen Lehrarten aber bleiben die alten Symbole und Riten und mit ihnen der Idealgehalt des Freimaurertums unangetastet. Darum sprechen wir auch mit Fug und Recht von einer ‚Bruderkette’, die sich über alle Länder erstreckt, in denen das frm. Licht leuchtet. Selbstverständlich ist auch die Freimaurerei in ihren Erscheinungsformen den Gesetzen der Entwicklung unterworfen. Aber in der verschiedenen Art, wie sie in den Lehrweisen dargeboten wird, offenbart sie lebendige Kräfte, die nach Ausdruck ringen. Das sollten wir Deutschen, die wir in besonderem Maße individualistischem Denken geneigt sind, wohl verstehen.“

Die Freimaurerei als eine Kunst innerer und äußerer harmonischer Lebensgestaltung wendet sich an das ‚Ich’ im Menschen, sie ist ein Suchen nach der Mitte des eigenen Wesens. Br. Stukenberg dazu: „Doch geschieht dies in der Freimaurerei nie in moralisierender oder gar frömmelnder Weise, sondern stets in einem vorsichtigen Hinführen zum Sinn der Symbole, die bei stillem Nachdenken eine so ergreifende Fülle von Lebensweisheit und Trost in sich bergen, dass sie auch der ernsteste Bruder nach langer Übung der frm. Lebenskunst, die wir gern die „Königliche Kunst“ nennen, nicht ausschöpfen kann. Es ist daher kein Wunder, daß die Deutung der Symbole je nach Art der Persönlichkeit verschieden ausfällt.“

Br. Stukenberg betont, dass Lehrarten als Deutungen der frm. Symbole als Wegweiser zu ihrem Verständnis und ihrer Anwendung zu verstehen sind. Lehrarten machen die internen Erscheinungen der Freimaurerei aus, die jedoch als Ganzes gesehen und gewertet werden sollen.

Br. Stukenberg: „Ihr vornehmster Leitgedanke ist die Brüderlichkeit, die von Bruder zu Bruder und von Loge zu Loge geübt wird“

5. Brief Hochgrade?

Insbesondere, wenn von Gegnern der Freimaurerei negative Aussagen über ein Mitglied einer Loge hervorgehoben werden sollen, wird von ihm als einem „Hochgradfreimaurer“ gesprochen. Dies ist dazu gedacht, auf besondere Gefährlichkeit hinzuweisen. Was hat es auf sich mit diesen sogenannten Hochgraden?

Alle Organisationsformen der Freimaurerei haben von der „Großloge von England“ die drei Schritte vom Lehrling über den Gesellen zum Meister übernommen. Diese Schritte wurden fälschlicherweise als Grade bezeichnet, stellen sie doch tatsächlich Erkenntnisstufen dar, mit denen der Freimaurer zunehmend mit dem Sinngehalt der Symbole und des Brauchtums vertraut gemacht wird. Br. Stukenberg betont, dass diese Unterweisung selbst jede Stufe geheim hält, weil sich erst aus dem nacheinander erfolgenden Aufdecken im Aufbau der Symbolik ihre eigentliche Bedeutung ergibt.

Br. Stukenberg: „Diese Geheimhaltung hat die Gegner zu tollen Phantasien verführt; Phantasien, die um so williger geglaubt werden, je mehr sie dem Sensationsbedürfnis der Masse entsprechen.“ Und weiterhin sei es zu verstehen, „dass man bei solcher Entstellung der Wahrheit den am meisten mit furchtbarsten Geheimnissen belastet glaubt, der die höchsten Erkenntnisstufen oder Grade erreicht hat.“

Br. Stukenberg wörtlich: „Aber, wirst Du fragen, warum denn überhaupt diese Erkenntnisstufen? Nun, man kann nicht die Oden des Horaz lesen, ohne erst von Sexta bis Sekunda die lateinische Sprache gelernt zu haben.“

Der Inhalt der drei ersten Erkenntnisstufen beschäftigt sich vorwiegend mit der hohen Kunst der sittlichen Lebensführung. Dabei verzichtet keine Lehrmeinung auf den religiösen Urgrund des freimaurerischen Gedankens.

Zu höheren Erkenntnisstufen bezogen auf den religiösen Urgrund macht Br. Stukenberg klar: „Diesen immer deutlicher zu erkennen und der ewigen Bindung des Gewissens an Gott auf dem Wege zu wahrer Menschenwürde bis zur Erringung der angestrebten Harmonie mit ihm ganz und gar inne zu werden, ist die Arbeit der Erkenntnisstufen, die über den Meistergrad hinausführen. Nicht jeder Freimaurer macht von ihnen Gebrauch. Mancher bleibt im Meistergrade und fühlt sich in ihm wohl und geborgen. – Es ist also nichts mit jenen Verleumdungen der Hochgradmaurer. Aber was weiß die Welt von der Sehnsucht nach der Stille in Gott? Diese jedoch ist es, die den sogen. Hochgraden ihre Weihe gibt. Sie sind ohne Ausnahme auf christlicher Grundlage aufgebaut.“